Der ewige Kampf der Land- und Seemächte

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Die gesamte Weltgeschichte ist die Geschichte der Kriege zwischen Seemächten und Landmächten. Jeder größere Konflikt lässt sich auf diesen Gegensatz zurückführen. Die Rivalität wird häufig symbolisch dargestellt, als der mythische Kampf zwischen dem Ur-Stier Behemoth und einem Wal, dem Leviathan. In der griechischen Antike dominierten Seefahrer, die auf den Inseln lebten und das Mittelmeer beherrschten. Die Landmacht Rom erlangte ihre Größe im Kampf gegen Karthago, eine Seemacht. Nach dem Niedergang des Römischen Reiches übernahmen verschiedene andere Mächte die Vorherrschaft auf den Meeren. Das Byzantinische Reich, obwohl eine Seemacht, befand sich in einer defensiven Position, konnte aber die Ausbreitung des Islam nach Europa verhindern. Venedig wurde zum Symbol der Seemacht und dominierte den Handel im Mittelmeer. Es blieb jedoch darauf beschränkt, während andere Nationen die Ozeane und Amerika entdeckten.

Der deutsche Geograph Ernst Kapp war durch die Ideen Hegels beeinflusst. Er nutzte das Wasser als Kriterium zur Charakterisierung der großen Etappen in der Entwicklung von Reichen. Er unterschied drei Entwicklungsstufen: die potamische Kultur entlang der Flüsse des Nahen Ostens, die thalassische Ära des Mittelmeers und die ozeanische Zivilisation der Germanen. Der moderne Kompass verlieh dem Schiff eine spirituelle Dimension, ermöglichte jedoch für sich allein noch keine Erkundung der Ozeane.

Die Seeschlachten der Antike waren von direkten Kämpfen, Mann gegen Mann geprägt. Die Schiffe stießen aufeinander und dann entbrannte eine Landschlacht auf den Schiffen. Die taktische Seekriegsführung entstand erst später. Die letzte große traditionelle Seeschlacht, die die Seemacht Venedig ausfocht, war die Schlacht von Lepanto im Jahr 1571 gegen das Osmanische Reich. Sie schützte Europa vor dem expandierenden Islam. Die Niederlage der spanischen Armada 1588 markierte den Wendepunkt in der Seefahrtechnologie zugunsten kleinerer, wendigerer Schiffe. Die Dominanz der Meere und die Entscheidung für das Element Wasser als Lebensgrundlage ergaben sich jedoch nicht allein aus der Entdeckung neuer Kontinente und Ozeane.