Jede grundlegende Ordnung ist eine räumliche Ordnung. Sie ist eng mit politischen Transformationen und der Landnahme verbunden. Die Raumrevolution des 16. und 17. Jahrhunderts führte zu einer beispiellosen Landnahme. Europäische Entdecker betrachteten neue Kontinente und Länder als verlassenes Eigentum. Die Rechtfertigung für die Eroberungen war die Verbreitung des christlichen Glaubens oder der europäischen Zivilisation. Daraus resultierte eine einseitige Betrachtung der nicht-christlichen oder nicht-zivilisierten Völker.
Trotz blutiger Kriege untereinander bildeten die christlich-europäischen Nationen eine Gemeinschaft, die auf der kolonialen Unterwerfung und Ausbeutung nicht-europäischer Völker basierte. Die Territorialkämpfe führten zu grausamen Auseinandersetzungen zwischen europäischen Nationen, wobei die Eroberung der „Neuen Welt“ den Höhepunkt bildete. Die Ära der Entdeckungen kann daher genauer als Ära der territorialen Eroberungen durch Europäer definiert werden, wobei die politische Ordnung auf der ständigen Teilung der neu entdeckten Erde beruhte. Portugiesen, Spanier, Franzosen, Holländer und Engländer kämpften untereinander um die Kontrolle und Aufteilung der neu entdeckten Gebiete, wobei sie militärische, diplomatische und rechtliche Mittel einsetzten. Die ersten Kolonisierungsbemühungen umfassten symbolische Gesten wie das Aufstellen von Kreuzen, das Schnitzen von Wappen oder das Behaupten offizieller Titel, um den Anspruch auf das Land zu erheben. Indigene Rechte wurden oft missachtet.
Der Papst spielte eine bedeutende Rolle bei der Legitimierung territorialer Ansprüche. Die Bullen inter caetera von 1493 gewährten Spanien die Herrschaft über die westindischen Inseln und legten eine Trennlinie im Atlantik fest. Der Vertrag von Tordesillas im Jahr 1494 festigte weitere territoriale Aufteilungen zwischen Spanien und Portugal. Andere europäische Mächte erkannten dieses Abkommen nicht an, was zu anhaltenden Konflikten um die territoriale Kontrolle führte. Der Kampf um den Besitz der Neuen Welt verstrickte sich mit religiösen und politischen Konflikten zwischen katholischen und protestantischen Mächten.