Der Moment der Hoffnung kam mit Julian. Der Kaiser regierte nur kurz, von 361 bis 363, doch sein Versuch, das Heidentum wiederzubeleben, traf bei der hier betrachteten Generation auf offene Ohren. Julian bewunderte die klassische Bildung. Er verehrte die alten Götter, deren Tempel wieder geöffnet wurden. Rhetorik, Philosophie und religiöse Vielfalt erlebten eine letzte Blüte.
Noch einmal konnten die letzten Heiden in dieser Zeit ihre Ansichten in wirksamen öffentlichen Reden vertreten, politische Entscheidungen begleiten und das Bild einer polytheistischen Religion – das heißt: der Vielgötterei – aufrecht erhalten. Der Staat schien wieder mit ihren Überzeugungen vereinbar. Doch Julians Regierungszeit endete abrupt. Mit seinem Tod brach das letzte heidnische Aufblühen ab. Die Hoffnung, dass das Heidentum wieder zur Staatsreligion wurde, zerfiel wieder. Für die letzte heidnische Generation markierte das den höchsten Punkt ihrer Wirkung. Danach wurde es zunehmend schwieriger. Denn das Christentum breitete sich rasant aus.