Die neue pannonische Ordnung

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Auf Julian folgten Kaiser, die aus Pannonien stammten: Valentinian I. und sein Bruder Valens. Ihre Herkunft aus dem heutigen Westungarn prägte ihren Stil. Sie führten straffer, militärischer und mit klarer Linie. Für heidnische Eliten bedeutete das: Der Spielraum wurde kleiner. Der Einfluss des Christentums wuchs weiter. Die neuen Kaiser blieben pragmatisch: Sie duldeten die Heiden, solange sie sich nützlich machten. Doch die Zeichen der Zeit standen bereits auf Umbau.

Die letzte heidnische Generation musste ihre gesellschaftliche Stellung, die über tausend Jahre unerschütterlich feststand, neu aushandeln. Wer mit dem Kaiserhaus kooperierte, blieb im Amt. Wer offen am alten Glauben festhielt, riskierte den Ausschluss. Die Männer dieser Generation blieben klug und ambivalent. Sie zeigten sich einerseits loyal und nicht offen oppositionell. Viele von ihnen konnten dadurch ihre Posten behalten, für die sie überdies ihre Erfahrungen mitbrachten. Sie verstanden das System und lernten schnell, wie man darin überlebte. Trotz wachsender religiöser Einschränkungen behaupteten sie sich. Doch sie spürten deutlich, dass die Zukunft nicht ihrem Glauben gehörte. Durch ihre Anpassung konnten die letzten Heiden zwar einigermaßen ungestört weiterleben, doch ihre Religion ging durch diese unpolitische Haltung unter. Statt für ihre Werte einzustehen, verrieten sie diese, um ihren privaten Frieden und Wohlstand zu mehren.