Der römische Staat war im vierten Jahrhundert ein riesiger Apparat. Doch stetig veränderte sich seine Form. Die Reformen der Kaiser Diokletian und Konstantin erschufen ein filigranes System, das gute Aufstiegschancen versprach, wenn man sich nur anzupassen wusste. Für die Männer der letzten heidnischen Generation war dieses System Chance und Herausforderung zugleich. Ihre Bildung, ihre Netzwerke, ihre Rhetorik qualifizierten sie für Ämter. Wer Kontakte hat, kommt eben weiter.
Manche wurden berühmte Redner, deren Namen teilweise bis heute noch überliefert sind. Andere stiegen zu politischen Beratern auf. Wieder andere wurden Lehrer und kamen später an den kaiserlichen Hof. Dort bekleideten sie höchste Ämter. Sie alle nutzten das System, ohne es grundlegend in Frage zu stellen. Dieses System belohnte Loyalität. Wer mitmachte, wurde geehrt, wer widersprach, verlor Einfluss und Bedeutung. Das Christentum begann, in dieses Gefüge hineinzuwachsen. Doch der Staat blieb zunächst offen genug, um auch den bestehenden paganen Eliten weiterhin einen Platz zu bieten.
Nach Konstantins Tod im Jahr 337 herrschte Unsicherheit. Seine Söhne kämpften um die Macht, das Reich wurde neu aufgeteilt und die kaiserlichen Richtlinien änderten sich. Wer jetzt Karriere machen wollte, musste vor allem flexibel sein. Die Männer der letzten heidnischen Generation waren inzwischen erwachsen. Ihre Ausbildung lag hinter ihnen, die ersten Schritte im Beruf waren getan.
Wie sie es gelernt hatten, stiegen sie in verantwortliche Positionen auf, obwohl sich das religiöse Klima verändert hatte. Dabei half es vor allem, offenen Widerstand gegen die neue Religion zu vermeiden. Stattdessen wurde es für die individuelle Karriere belohnt, wenn man sich integrierte, ohne sich zu verleugnen. Die letzte pagane Generation spielte mit, aber nicht mit vollem Einsatz. Noch glaubte sie nicht, dass sich das Reich bald vollständig verändern würde.