Für den Fernen Osten sind zwei geopolitische Fragen für die USA von zentraler Bedeutung.
Erstens: die Ausdehnung des Einflussgebiets Chinas während seines Aufstiegs zu einer Regionalmacht und sein mögliches Streben nach einer Weltmacht.
Zweitens: die regionalen Konsequenzen Japans, das den Status eines amerikanischen Protektorats nicht länger akzeptieren will.
Amerika ist in den Augen Chinas die gegenwärtig die bestimmende Weltmacht. Angesichts seiner wirtschaftlichen Dynamik dürfte China sich ein Militär leisten können, das seine Nachbarn einschüchtern kann. Die bloße Gegenwart der USA in der Region, gestützt auf seine dominierende Position in Japan, dämmt Chinas Einfluss jedoch ein.
Nach Ansicht Pekings wird die Zeit kommen, in der die USA begreifen, dass sie keine andere Wahl haben, als sich China als seinem natürlichen Partner auf dem asiatischen Festland zuzuwenden.
Aus historischen und geographischen Gründen wird China vermutlich immer nachdrücklicher auf der Wiedervereinigung Taiwans mit dem Festland bestehen. Diese Frage könnte aber zu einer direkten Konfrontation zwischen den USA und China führen, und damit zu fatalen Konsequenzen für alle Beteiligten.
Eine Demokratisierung Chinas lässt sich auf die Dauer nicht umgehen. Zu einer weiteren Öffnung Chinas gegenüber der Welt gibt es keine praktische, wirtschaftlich rentable und politisch gangbare Alternative.
Für Japan waren die USA wie ein Schutzschirm. Unter ihm konnte es sich von der Niederlage im Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich erholen und zu einer weltweit führenden Nation aufsteigen. Der Schutzschirm sorgte aber auch dafür, dass Japan trotz seines Status als Weltmacht ein Protektorat der USA blieb.
Wegen China ist es für Japan unrealistisch, eine beherrschende Machtposition in der Region anzustreben. Deshalb kann Japan den Status einer globalen Führungsmacht am ehesten dadurch erlangen, dass es sich aktiv an der globalen Friedenssicherung und Wirtschaftsförderung beteiligt.
Für eine wirksame amerikanische Politik in Eurasien müssen die USA auch im Fernen Osten verankert sein und auf dem asiatischen Festland wie in Südkorea präsent bleiben. Eine enge Beziehung zu Japan und ein kooperatives Verhältnis zu China sind für die amerikanische Weltpolitik unerlässlich.
Nur in einer engen Allianz mit Japan werden die USA Chinas regionale Bestrebungen ausgleichen und deren willkürlichere Auswüchse zügeln können.