In dieser frühen Rede von 1871 entwirft Friedrich Nietzsche eine radikale Neubewertung der griechischen Tragödie. Er führt den Übergang von den vorsokratischen Chören zur sokratischen Dialektik vor Augen – und damit zugleich den Niedergang jener musisch-rituellen Einheit, in der Kunst, Mythos und Gemeinschaft einst waren. Mit scharfem Blick analysiert er, wie im Geist des Sokrates die rationale Vernunft die tragische Kunst verdrängte, der Sinn für das Dionysische verlorenging und stattdessen eine wissenschaftliche Weltdeutung ihre Herrschaft beanspruchte. Damit beleuchtet Nietzsche nicht nur die Geburtsstunde der abendländischen Tragödie, sondern auch ihren Zerfall im Zeitalter der Logik – ein fundamentales Kapitel für Werks-, Kultur- und Ästhetikgeschichte.
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844–1900) war zunächst Philologie-Professor in Basel. 1879 musste er die Universität aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Auf der Suche nach einem Aufenthaltsort, der seiner angeschlagenen Gesundheit half, schrieb er einige der bedeutendsten Bücher der abendländischen Philosophie. Dabei entwickelte er seinen eigenen, energischen Stil der Philosophie: eine leidenschaftliche und dem Leben verpflichtete Denkweise, die das Leben als eine Kraft begreift. Ihre Fülle und volle Energie findet sie in einer aristokratischen und erobernden Existenzweise.
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